Gute Messer hängen nicht nur am Schliff, sondern vor allem an der punktgenauen Wärmebehandlung.
Entscheidend sind kontrollierte Haltezeiten sowie eine sorgfältige Abschreckung und eine präzise Temperaturführung, die eine
passende Mikrostruktur im Stahl erzeugt.
In unserer Härterei werden jedes Jahr über 1.000 Messerklingen für Kunden aus
Österreich, Deutschland und der gesamten EU gehärtet.
Bei unserem Härteservice geht es nicht nur darum, einen bestimmten HRC-Wert zu erreichen, sondern zusätzlich um ein möglichst feines Gefüge mit wenig Restaustenit. Abhängig von Stahl, Klingendicke und Einsatzbereich legen wir die Wärmebehandlung so aus, dass Schärfbarkeit, Standzeit und Zähigkeit zusammenpassen.
Dazu arbeiten wir mit klar definierten Parametern für Austenitisieren, Abschrecken, Anlassen und Tiefkühlen. Diese haben wir über Jahrzehnte in Praxis und Versuchsreihen entwickelt. Temperaturen, Haltezeiten und Abschreckwege sind für die eingesetzten Messerstähle und typischen Klingengeometrien aufeinander abgestimmt.
Die Rockwellhärte können wir mit einem modernen Härteprüfgerät von Mitutoyo prüfen, bei dem Prüfkraft und Messablauf elektronisch geregelt ist und die Härte digital ausgelesen wird. An ausgewählten Proben haben wir die Parameter zusätzlich metallografisch in unserem eigenen kleinen Labor überprüft, um Gefüge, Karbidgröße, Karbidverteilung und sichtbare Inhomogenitäten zu beurteilen und die Parameter gezielt auf Messerstähle und typische Klingengeometrien abzustimmen.
Im Härteservice sehen wir ein breites Spektrum an Messerstählen. Ein Schwerpunkt liegt auf rostfreiem, hochlegiertem und pulvermetallurgischem Messerstahl, der eine anspruchsvolle Wärmebehandlung benötigt. Daneben härten wir regelmäßig unlegierte Kohlenstoffstähle, laminierte Klingen und Damastklingen.
Zusätzlich härten wir auch Bauteile für Klappmesser, etwa Rückenfedern. Besonders geeignet ist hier 1.4034, der sich als rostbeständiger Stahl mit einer sinnvollen Kombination aus Härte und Federwirkung bewährt hat.
Die Wärmebehandlung von Messerklingen ist immer ein Zusammenspiel aus Stahl, Geometrie und Vorbereitung. Selbst mit optimierten Parametern können daher Verzug oder einzelne Ausfälle auftreten, die sich technisch nicht vollständig ausschließen lassen. Unser Richtservice kann verzogene Klingen in vielen Fällen deutlich verbessern, extrem oder ungünstig verbogene Klingen lassen sich jedoch nicht immer vollständig gerade richten, ohne das Bruchrisiko zu stark zu erhöhen.
Je nach Stahl und Klingengeometrie stehen verschiedene Härtungs- und Abschreckwege zur Verfügung.
Für rostfreie und lufthärtende Stähle nutzen wir ein Schutzgas Härtungssystem
mit Argon als Oxidationsschutz, um Entkohlung und Zunder zu minimieren. Folienpakete kommen bei sehr
langen Klingen(über 50cm) zum Einsatz, die nicht mehr in dieses System passen.
Unlegierte und niedriglegierte Kohlenstoffstähle werden in konventioneller Ofenatmosphäre gehärtet.
Der weitgehend geschlossene Ofenraum sorgt dabei für einen relativ geringen Sauerstoffanteil, was für diese
Stähle im Normalfall ausreichend ist.
Als Abschreckmedien kommen je nach Stahl und Anforderung ein gerichteter Luftstrom, hochleistungsfähige Härteöle wie DURIXOL V35 sowie ein verzugsärmeres mittelschnelles Öl zum Einsatz. Bei rostfreien und hochlegierten, insbesondere pulvermetallurgischen Messerstählen arbeiten wir bevorzugt mit Luftabschreckung. Bei diesen Stählen ermöglicht sie die angestrebte Rockwellhärte verzugsarm und liefert konstant reproduzierbare Ergebnisse. Härteöle setzen wir vor allem bei Stählen mit höherem Abschreckbedarf ein, wenn eine stärkere Abkühlung notwendig ist. In Wasser wird bei uns grundsätzlich nicht gehärtet.
Für das Härten werden die Klingen im Ofen senkrecht mit definiertem Abstand zueinander aufgestellt. Bei rostfreien und hochlegierten Messerstählen sorgt die abschließende Luftabschreckung mit einem gerichteten Luftstrom von unten dafür, dass beide Flanken gleichmäßig angeströmt werden. Das führt zu einer sehr gleichmäßigen Abkühlung und trägt zu verzugsarmen Ergebnissen bei.
Bei Kohlenstoffstählen bzw. Ölhärter wird die Klinge direkt in ein geeignetes Härteölbad getaucht, um die benötigte Abkühlgeschwindigkeit zu erreichen.
Im laufenden Betrieb prüfen wir die Rockwellhärte stichprobenartig je Charge. Wer die Härte seiner eigenen Klinge genau dokumentiert haben möchte, kann zusätzlich ein Härtezertifikat buchen. Dabei wird genau diese Klinge separat gemessen und der Härtenachweis auf den Namen des Kunden ausgestellt.
Gemessen wird üblicherweise am Erl der Klinge. In der Regel nutzen wir zwei bis drei Messpunkte,
um die Härte im Erlbereich sicher zu erfassen. Bei rostfreien und hochlegierten Messerstählen
erreichen wir eine weitgehend gleichmäßige Härtung, die dort gemessene Härte ist
in der Regel repräsentativ für die gesamte Klinge.
Bei ölgehärteten Klingenstahl kann es,
insbesondere bei kürzeren oder sehr schlanken Griffbereichen, durch das Greifen mit der Zange
am Griffende beim Eintauchen ins Öl dazu kommen, dass die Schneide geringfügig höher gehärtet ist
als der Erl. Der am Erl gemessene Wert ist damit eine eher konservative Untergrenze für die Härte
der Klinge.
In der industriellen Wärmebehandlung wird das Tiefkühlen nicht immer direkt nach dem Abschrecken durchgeführt, sondern teilweise erst nach einem ersten Anlassen, um die Rissgefahr zu senken. Dadurch ist die Wirkung auf den Restaustenit geringer, weshalb dann flüssiger Stickstoff eingesetzt wird, um dennoch einen spürbaren Effekt zu erzielen.
Wir kühlen Messerklingen in einem leistungsstarken Industrie Tiefkühler auf etwa -85°C ab und setzen diesen Schritt direkt nach dem Abschrecken ein. Je nach Stahl und Klingenstärke ist die Dauer der Tiefkühlphase so gewählt, dass die Umwandlung von Restaustenit zu Martensit möglichst vollständig ablaufen kann. So wird der Restaustenitanteil deutlich reduziert und die Grundlage für ein stabiles Gefüge gelegt, was sich in guter Schärfbarkeit, hoher Standzeit und verlässlicher Schneidenstabilität bemerkbar macht.
Die Abkühlung erfolgt über Luft im Tiefkühlschrank und nicht über flüssige Medien. Dadurch werden starke Kälteschocks vermieden und der Temperaturwechsel für die Klingen möglichst schonend gehalten. Bei rostenden Mittellagenstählen aus Kohlenstoffstahl setzen wir Tiefkühlen in der Regel nicht ein. Durch die unterschiedlichen Werkstoffe von Kern und Außenlagen können beim starken Abkühlen Spannungen entstehen, bei denen die harte Mittellage in der Mitte zerreißt.
Ausführliche Informationen zu Ablauf, Vorbereitung und Versand finden Sie auf unserer Website zum Messer-Härteservice.